DONNA DORIA


Principessa Donna Luisa hatte geladen. Nur auf einen Campari bianco, eine Schale vom besten Champagner, einen smarten Shortdrink oder einen coolen Longdrink. Dazu ein Löffelchen Bries vom besten goldenen Kalb oder eine in winzigem Edelsteinstaub getauchte Käsetrüffelstange. Serviert von eher gelangweilten und hochnäsigen weißen Sloughis.
Die Auffahrt zum Palais war gesäumt von den kräftigsten Dogo Argentina, Fila Brasileira und Rhodesians, die man sich nur denken konnte. Rechts und links vom hohen Portal standen, sozusagen als lebende Statuen, zwei Shar Pei vom besten Stamm. Die hohen Mahagonitüren waren weit offen, der Besucher konnte schon vom vergoldeten Tor durch das gesamte Gebäude bis hinaus in den weitläufigen Park sehen. Und die Geladenen? Es war ihnen keine Ehre zu kommen. Es war eine Selbstverständlichkeit, dass Donna Luisa gerufen hatte. Selten genug zwar, aber immerhin. Und es war immer wieder eine prachtvolle Soiree. Von den begleitenden Herren wurde nur verlangt, dass sie schwarze Bermudas trugen, dazu ein elegantes Seidenoberteil. Und Fliege musste sein. Schwarz oder in den schillerndsten Regenbogenfarben. Für die Damen war solch eine Einladung immer eine Herausforderung. Was ziehe ich warum und weshalb nur heute an, habe ich das Teil eventuell schon mal bei der Queen oder der Multimillionärin von und zu gezeigt? Ist es nicht zu gewagt oder eher für den Abend und dieser um ein Quäntchen zu kühl oder gar zu warm? Hut, ja oder nein? Und welcher Chauffeur, nein, doch lieber das weibliche Gegenstück? Und dann die unumgänglichste aller unumgänglichen Fragen: Cabrio oder doch lieber der Heckatti? Es war so furchtbar viel zu bedenken, dass so manche Schönheit fast zu spät erschienen wäre.