H O R S T


Horst stand mal wieder so rum. Wie er es eben jeden Tag und jede Nacht tat. Er war stolz, denn er war der Baumschule entwachsen, hatte das Studium der Hölzer im Allgemeinen mit summa cum laude abgeschlossen und durfte sich von nun an Horst Forst nennen. Ab heute war Horst ein ganz Besonderer und er wollte allen seinen Freunden und Verwandten davon berichten. "Hallo, hört mal, ich habe mein Studium abgeschloss . . ." Huiiiii und Sssssss und Brauuuiiiis sauste es plötzlich um ihn herum und nahm ihm seine ganzen wohlgeformten Sätze und die einzelnen edlen Wörter, selbst die restlichen vorbildlichen Buchstaben mit sich fort. Die Kumpels um ihn herum wogten und schwankten, sie bebten in ihren Grundfesten. Kleine Ästchen raschelten zu Boden. Und sie schwiegen. "Leute, lasst Euch das nicht gefallen!", rief Horst nun etwas lauter, wohl auch, um die aufkommende Angst zu übertönen. Sssssssssssstschwummmmrrrmmmmhuuuuiiii. Ein Sturm hatte sich von Südwesten aus dem Rhonetal aufgemacht, um das Land aufzuwirbeln, durcheinander zu bringen. Er rüttelte im Städtchen an den Rollläden, er pfeifte um die Hausecken, er zerrte an den Dachziegeln, er riss Planen von Baustellen ab und wirbelte sie durch die Straßen, er warf Verkehrsschilder um und er griff die Wälder an.